ab 1501

Die Grundsteine für die heutige Kirche werden gelegt
Schon früher wussten die Leute, was gut ist. Daher befand sich im Pfarrhaus eine vom Pfarrer betriebene Schankwirtschaft. Die Erlöse daraus bildeten sein Haupteinkommen. Schnell sprach sich herum, wie gut man am Florenberg einkehren kann. Und mit steigender Nachfrage und wachsender Bevölkerung wurde die Schankstätte im Pfarrhaus bald zu klein. Abgesehen davon, galt die Schankwirtschaft als nicht sittsam für ein Pfarrhaus. Daher wird am 18.03.1710 das Recht, die Wirtschaft weiterzuführen an Johann Dehler aus Keulos in Form eines Erblehens (kraft Erbfolge übergegangenes Lehen) verkauft. Der geschäftstüchtige Keuloser baute die erste Gaststätte auf dem Florenberg an heutiger Stelle und erweiterte sie um ein Brauhaus. Auch eine Scheune mit darunterliegenden Stellungen entstanden. Nach Dehlers Tod führte sein Schwiegersohn Nikolaus Sitzmann bis 1784 das Anwesen.

ca. 1850

 

Erstmals übernimmt eine Frau übernimmt 1850 das Regiment auf dem Florenberg. Josefa Heil ist bis dato die Einzige, die sich durch die Gast- und Landwirtschaft ihr Einkommen sichert. Gepaart mit ihrem Geiz und ihrer primitiven Lebensweise brachte sie es so zu stolzem Besitz – ihre Erben freute es. Mit dem Tod von Josefa Heil 1911 geht die Gaststätte in den Besitz von jüdischen Banken über. Und bei diesen hatte Franz Alt aus Edelzell Schulden. Um diese begelichen zu können, wurde er 1912 von seinen Gläubigern zur Arbeit auf den Florenberg verbannt. Anstatt jedoch seine Schulden zu tilgen, baute Alt einen großen Saal – zu seinen Schulden gesellen sich noch ein paar mehr.

1929

Nach Alts Tod griff Rochus Frohnapfel nach den Sternen. Der Wagner und Landwirt aus Pilgerzell verkauft seinen Hof und versucht von nun an auf dem Florenberg sein Glück. Rochus Frohnapfel hat ein gutes Händchen. Nachdem er zwischen Gaststube und Scheune eine Wagnerei und darauf eine Wohnung für seine Familie errichtet, baut er zudem die ersten Gästezimmer. Ab 1930 wurde der Florenberg ein anerkannter „Luftkurort“. Ein hohes Prädikat. Denn die Bezeichnung darf nur jener Ort tragen, dessen Luft und Klima laut einem Gutachten Eigenschaften aufweisen, die für Erholung und Gesundheit förderlich sind. Mit dem Einsetzen des Krieges dient der errichtete Saal ab 1933 Gefangenen als Schlafstätte.

1948

Nach Rochus Frohnapfels Tod übernehmen seine Frau Anna und der gemeinsame Sohn Erich das Anwesen. Mit der Hochzeit von Erich Frohnapfel und Elisabeth Bohl leiten die beiden ab 1951 die Geschäfte. 1955 wird in der Wagnerei ein Festsaal mit Bühne gebaut. Von nun an wird jeden Samstag auf dem Florenberg getanzt. Von überall strömen die Leute auf den Berg – zu der Zeit meist noch zu Fuß. Mit wachsender Nachfrage und immer weiter steigender Gästezahl werden die Räumlichkeiten 1959 modernisiert und die Landwirtschaft eingestellt. Der Saal bekommt eine neue Theke und eine Heizung wird installiert. Während der Wintermonate läuft der Kessel bei den im ganzen Landkreis bekannten Veranstaltungen auf Hochtouren. Die Rohre glühen feuerrot. Aus Angst sie könnten Platzen, kühlt man sie mit Wasser ab. Im Zuge der Modernisierung wird auch eine neue Decke eingebaut. Die Akkustik, die sich daraus ergibt, ist so gut, dass sogar das HR-Sinfonierorchester den Saal für Tonaufnahmen nutzt. Mit wachsender Beliebtheit wird der Saal 1966 um eine Kellerbar erweitert, die bei Veranstaltungen überwiegend als Sektbar genutzt wird. Bei guter Musik und bester Stimmung lernt sich im Laufe der Jahre das ein oder andere Paar kennen und heiratet sogar später auf dem Florenberg.

ab 1975

Die nächste Generation steht 1975 in den Startlöchern. Günter Frohnapfel übernimmt mit seiner Frau Angelika die Gaststätte und reißt die alte Scheune samt Stellungen ab. Der Platz wird für ein Wohnhaus für die Familie genutzt. Und auch die Kapazitäten des kleinen Saals kann so auf 80 Sitzplätze erweitert werden.
Die Stimme seiner Mutter liegt Günter Frohnapfel noch heute in den Ohren: „Zum Essen setzt sich niemand raus!“ Zudem regnet es 1982 noch wochenlang am Stück und der Tag der Eröffnung des Biergartens rückt immer näher. Sogar der Schreiner, der die Theke baut glaubt nicht daran, dass es mit dem pünktlichen Start der Freiluft-Saison etwas werden kann. Doch Günter Frohnapfel hält und seinen Plänen fest und wird belohnt. Zur Eröffnung des ersten Biergartens auf dem Florenberg – einer der ersten in Fulda überhaupt – verziehen sich die Wolken und die Sonne strahlt wochenlang. Schnell muss der Biergarten von zunächst 120 Sitzplätzen auf 440 erweitert werden.
Die alte Heizung tut es 1983 nicht mehr und auch die Bühne im Saal hat eine Generalüberholung verdient. Eine Investition, die sich lohnt. Der Schwof (Tanzveranstaltung) ist im ganzen Landkreis bekannt und zur Fastnacht tummeln sich rund 1.000 Leute in Saal, Kellerbar und in der Wirtschaft. Heute nicht mehr vorstellbar bei all den Auflagen und Gesetzen, die es einzuhalten gilt. Schade, denn der Lumpenball (letzter Fastnachtsabend an Fastnachtsdienstag) ist legendär. Doch mit dem einsetzenden Golfkrieg ändert sich das Ausgehverhalten und findet nicht mehr zum Alten.
Ein großer Schritt in eine neue Richtung findet 1993 mit dem Bau des Restaurants statt. In der alten Wirtschaft entsteht die eine neue Küche. Mehr als nur ein Muss. Wurde bis dahin auf einem Holzofen gekocht. Durch die veränderten Gegebenheiten können die fünf Gästezimmer im Altbau nicht mehr vermietet werden.  Kein großer Abbruch, bedenkt man, dass die Zimmer nur WC und Badewanne auf dem Gang hatten, die Decken mit den Händen berührt werden konnten und auf den Zimmer dixikloähnliche Duschen standen.

ab 2015

Leonora Frohnapfel – jüngste von drei Töchtern von Günter und Angelika Frohnapfel – fragt sich, wie es weitergehen soll auf dem Florenberg, wenn die Eltern nicht mehr können. Die studierte Politikwissenschaftlerin, IHK geprüfte Restaurantfachfrau und Marketing- und PR-Fachfrau trifft eine Entscheidung: neue Wege gehen und ein Großprojekt stemmen. Und so rollen am 14.09.2015 die Bagger an und reisen den in die Jahre gekommenen Saal samt Kellerbar und Kühlräumen ab.
2016 beginnt eine logistische Meisterleistung. Der an der Stelle des ehemaligen Saals zu errichtende Neubau muss an den Altbau von 1711, den Biergarten von 1982 und das Restaurant von 1993 angeschlossen werden. Bierleitungen werden quer durch das Haus verlegt, Höhen vermessen, Ausgleichsarbeiten vollzogen, Durchbrüche gemacht und vor allem wird Terraforming betrieben, damit auch alles am Schluss zusammenpasst, was zusammengehören soll. In dem Zuge wird ebenfalls der Biergarten angehoben, damit die Gäste weiterhin den Blick in die Rhön genießen können. Zwei ausgediente Biergartenausschänke und Grill fallen den Abrissarbeiten zum Opfer. Im oberen Bereich des Biergartens wird eine neue Theke errichtet: neu und doch rustikal aus alten Brettern einer Scheune aus der bayerischen Rhön.
Flexibel müssen Familie Frohnapfel und das gesamte Berg-Team im Zuge der Umbauarbeiten reagieren. Mal geht irgendwo kein Strom, mal gibt es dort kein Durchkommen, mal läuft hier kein Wasser. Und doch geht alles gut. Nicht einen Tag muss die Wirtschaft geschlossen werden. Eine geglückte Operation am offenen Herzen.
Endlich ist es soweit. Am 10.10.2016 können die ersten Gäste in den neu errichteten Bettentrakt einziehen, in dem 18 moderne Gästezimmer entstanden sind. Und auch im Saal kann wieder gefeiert werden. Zwar nicht mehr mit Bühne, dafür großer Terrasse und großen Fenstern: eine gelungene Kombination von Drinnen und Draussen.